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Was ist los mit der Energiewende?

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Energiewandel - Ausbau

13.06.2016

Wir bekommen derzeit (Mai/Juni 2016) schon einen kleinen Vorgeschmack von der seit vielen Jahren angekündigten weltweiten Energiewende. Gewaltige Wassermassen (z.T. über 50 l/qm) stürzen sich aus beängstigend schwarzen Regenwolken scheinbar willkürlich auf Teile unseres Landes und stiften dort verheerende Verwüstungen, wie wir sie bisher nur selten erlebt haben. Andererseits sind andere Landstriche unserer Erde, wo etwas Feuchtigkeit dringend gebraucht würde, von nachhaltigen jahrelang dauernden Trockenheiten betroffen. Der Entzug aller Lebensgrundlagen löst dort Massenelend und Wanderungsbewegungen von  Hunderten Millionen Menschen aus. Mit den unseren Gesellschaften dadurch aufgebürdeten Kosten und den Aufwendungen, die für Schadensbegrenzungen zu leisten sind, könnte die Beseitigung der fossilen Energiewirtschaft und ihre Umstellung auf Erneuerbare Energien leicht mehrmals finanziert werden. Damit wäre dann auch ein wesentlicher Beitrag gegen die drohende Klimakatastrophe geleistet.

Während beim Umbau des Energiesystems um jede öffentliche Million gekämpft wird, geht es bei der vorübergehenden Widerherstellung der Ernährungsverhältnisse in Flüchtlingslagern um Milliarden. Doch was machen wir? Wir lassen alle Klimaveränderungen und ihre Folgen widerstandslos geschehen („Verdrängungsmentalität“ ist zum Kern unseres Handelns bzw. Nichthandelns geworden) und erklären immer wieder, die Energiewende käme zu teuer und sei nur über einen Zeitraum von Jahrzehnten umsetzbar und finanzierbar.

Doch der Klimawandel ist nicht die einzige Drohkulisse, falls es uns nicht gelingt, den Vollzug oder zumindest ein bedeutsames Fortschreiten der Energiewende und damit eine Einschränkung der klimaschädlichen Gase, zu erreichen. Es drohen uns zunehmende internationale Konflikte wegen der Zugänge zu den Restressourcen an Öl und Gas bis hin zu weiteren Ressourcenkriegen. Die Ausbeutung der sogenannten „alternativen Ressourcen“ ist mit nicht versicherbaren Risiken verbunden. Unlösbar bleiben die Probleme der Atomenergie, in Form von Sicherheitsgefahren im Betrieb und auf unabsehbare Zeit darüber hinaus durch unseren Atommüll.

Der Zeitpunkt  des befüchteten „großen Énergiegaus“ ist nicht erst erreicht, wenn der letzte Tropfen Öl  und Gashauch unserer Erde abgewonnen worden ist, sondern dann, wenn deren Restmengen zu Raritäten geworden und von den Wirtschaften der Staaten nicht mehr bezahlt werden können.

Es ist nicht mehr zu bestreiten, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört. Diese neue Energieform ist die einzige, die den Lebenserhaltungssystemen unserer Erde nicht entgegensteht. Dagegen führt der Weg der herkömmlichen Energiewirtschaft mit Sicherheit in den Untergang.

Aufgrund dieser Tatsache ist für unser weiteres Handeln folgende Zielsetzung festzulegen:

  • Da wir wissen, dass dem derzeit etablierte Energiesystem zeitnah seine Existenzgrundlage entzogen wird, wir aber den genauen Zeitpunkt nicht kennen, muss der Aufbau der „Erneuerbaren“  mit allen verfügbaren Mitteln weiter geführt werden, solange bis das bestehende Energiesystem vollständig abgelöst ist.

Das erneuerbare Energiesystem ist mit dem etablierten  System in technischer, infrastruktureller, organisatorischer und finanzieller Hinsicht nicht vereinbar. Deshalb wird das untergeordnete bestenfalls immer nur ein Bestandteil des führenden sein. Es liegt auf der Hand, dass das zukunftsfähige System die Führung übernehmen muss und nicht – wie es derzeit der Fall ist – das auslaufende.

Beispielhaft dafür, dass das fossile System führend ist, besteht in dem Versuch, das erneuerbare in das vorhandene System zu integrieren und da, wo dies nicht möglich ist, der Entwicklung der Erneuerbaren Beschränkungen aufzuerlegen, wie dies durch das am 8.6.2016 beschlossene neue Energiegesetz geschehen ist.

Eine Rücksichtnahme auf das fossile System ist politisch unverantwortlich. Es muss untergehen, koste es was es wolle. Daraus folgt, dass alle Argumente, die für das Weiterbestehen, seien diese sinnvoll oder nicht, kein Gewicht haben dürfen. Zum Beispiel darf auf die Arbeitsplätze in Braunkohlenrevieren keine Rücksicht genommen werden, zumal diese ohnehin nur aufschiebende Wirkung hat. Ein Strukturänderungsprogramm wird zwar sehr teuer. Wir haben ein derartiges Programm bereits im Saarland, im Ruhrgebiet und in Thüringen erfolgreich umgesetzt. Aber es gilt hier wie auch für die Abwicklung des gesamten überkommenen Systems: Je später diese erfolgt, desto teuerer wird es!

Während zu Beginn der Energiewende vor allem die Bewusstseinsbildung, die Entwicklung und  Markteinführung von notwendigen Technologien (Erneuerbare Energien, Effizienztechnologien etc.) und die Senkung von deren Kosten im Vordergrund standen, verschiebt sich der Fokus in späteren Phasen zunehmend in Richtung von Systemintegration im Stromsektor (auf die erneuerbare Energiegewinnung ausgerichtet) sowie der Verdrängung von fossilen Energien aus dem Wärme- und Verkehrssektor. Dabei kommt es zu einer immer stärkeren Auflösung der einzelnen Sektoren und stattdessen zu einer Integration in einem einzigen sektorübergreifenden vernetzten Energiesystem

Zwischenstand: In 2015 belief sich der Anteil der Erneuerbaren am Strommix: Strom 30 %, Wärme 13,2 %, Verkehr 5,3 %. Es wurden bis dahin CO2_-Emissionen von 168 Millionen Tonnen eingespart.

Wichtig für ein Gelingen des Umwandlungsprozesses ist die Unterstützung durch die Bevölkerung. Seit den 1990er Jahren wurde durch die Arbeit zahlreicher die Wende unterstützender Institutionen ein nie für möglich gehaltenes Vertrauenspotential  der Menschen in die Energiewende aufgebaut. Auch ein Teil der Presse und der Forschungsinstitute hat dazu beigetragen.  2010 waren einer Umfrage zufolge 90 % der Menschen in Deutschland für einen massiven Ausbau, 75 % wollten eine regionale Energiewende und waren bereit, dafür sogar höhere Energiekosten zu akzeptieren.

Ab 2013 jedoch hat sich die Einstellung der Bevölkerung zur Energiewende wieder ins Negative entwickelt. Hauptgrund dafür waren widersprüchliche Äußerungen aus der Politik und eine nicht nachvollziehbare Preisdiskussion. Wegen der Umlage der Kosten für die Einspeisevergütungen hat sich der Strompreis um wenige Cent pro Kilowattstunde erhöht. Obwohl zu dieser Zeit bereits der Höhepunkt der Umlage-Belastung erreicht war, hat die Politik die Ängste der Bevölkerung angeheizt und eine allgemeine Zustimmung für Maßnahmen zur Eindämmung des weiteren Ausbaues der Erneuerbaren gefördert. Vorläufiges Ergebnis ist die Beschlußfassung vom 8.6.2016. Im Hintergrund hat dabei der von der konventionellen Energiewirtschaft beherrschte Mainstream maßgeblich beigetragen.

2016 hielten lt. Statista-Erhebung bereits ca. 60 % der Befragten den Stopp des Ausbaus der Erneuerbaren sehr sinnvoll bis weniger sinnvoll. Wenn man es sich leisten kann, die Energiewende anzuhalten, wirkt dies auf die Bevökerungs-Meinung wie: „Na ja, so lebensnotwendig scheint die Energiewende nicht zu sein!“

Es scheint also dringend geboten, erneut an der Bewußtseinsbildung für die Energiewende zu arbeiten.

Aktualisiert (Montag, den 13. Juni 2016 um 10:00 Uhr)