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Energiewende im Mobilitätsbereich kommt schwer voran

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Energiewandel - Mobilität

06.06.2015

Laut Bundeskanzlerin Merkel sollen bis 2020 mindestens 2 Millionen e-Mobile auf Deutschlands Straßen rollen.  Dieses Ziel soll vom Bund kräftig mit Fördermitteln unterstützt werden. 4000 Euro soll die Kaufprämie, oder der "Umweltbonus", wie sie die Regierungskoalition nennt, für reine Elektroautos betragen, 3000 Euro für Hybride mit aufladbarer Batterie plus Verbrennungsmotor.

Die Automobilindustrie klatscht über diesen Beschlüssen der Regierungskoalition kräftig Beifall. Die Automobilisten stürzen sich bereits auf die Autoverkäufer und sichten das Angebot. Die Rallye bis 2020 hat begonnen. –

Haben Sie davon etwas mitbekommen? Ich auch nicht. Die Nachfrage nach e-Autos ist äußerst zurückhaltend und die Industrie wird deshalb keinen radikalen Schwenk bei ihrer Entwicklungs- und Produktionsmaschinerie riskieren. Es scheint, dass e-Mobile weiterhin  nur von Autofahrern gekauft werden, für die die Energiewende ein echtes Anliegen ist. Diejenigen, die ihre Entscheidung von Kosten-Nutzen-Erwägungen abhängig machen, werden sich wegen des Umweltbonus nicht aus ihrer Reserve herauslocken lassen. Elektroautos werden nach wie vor als teuer empfunden und das liegt im Vergleich zu ihren fossilen Gegnern nicht nur an den Stückkosten, sondern am Aufwand für Produktion, Logistik und Infrastruktur.

Das Wertschöpfungsdefizit erscheint deshalb unüberwindlich, zumal auch unsere Innovationskraft, insbesondere im Batteriebereich, der Erschöpfung nahe ist. Man muss sich deshalb erneut allen Ernstes fragen, ob die Verkehrswende allein mit der Elektromobilität zu erreichen ist.

Ein alternatives Antriebskonzept, nämlich das mit Wasserstoff, hatte angeblich schon vor einem Jahrzehnt Serienreife erreicht. Es wurde dann jedoch unvermittelt still um die Brennstoffzellen-Antriebstechnik bzw. um den aus Wasserstoff gewonnenen synthetischen Kraftstoff, weil sie zu teuer und zu komplex waren. Die Technik ist jedoch alternativlos und rechtfertigt, dass wir uns weiterhin damit beschäftigen. Es könnte allerdings sein, dass für das Gesamtsystem die Zeit noch nicht ganz reif ist. Inzwischen ist das Szenario ein anderes geworden und es wäre jetzt an der Zeit, die Wasserstofftechnik einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Vieles spräche für sie. Dazu einige Gesichtspunkte:

  • Wesentliche Bereiche der Mobilität kommen mit Wasserstroff-Antrieben besser zurecht als mit e-Antrieben, z.B. der Schwertransportbetrieb, die Luftfahrt und der Schiffsverkehr, auch der Personenverkehr auf Langstrecken. Ein einheitliches Mobilitätssystem für alle Bereiche wäre ja ohnehin erklärtes Ziel am langen Ende.
  • Auch die W-Technik benötigt Zapfsäulen. Aber diese in größerer Stückzahl und flächendeckend bereit zu stellen, wäre einfacher, da auf das  bestehende fossile Tankstellennetz aufgebaut werden könnte, ebenfalls die Distributionslogistik dahinter. Die mithilfe von Kohlenstoff und Wasserstoff erzeugten Kohlenwasserstoffe sind im Flüssigzustand mit konventionellen Treibstoffen weitgehend identisch.
  • Flüssiger Wasserstoff kann sehr kostengünstig mit großen Solarthermieanlagen in sonnenreichen Zonen erzeugt werden. Befinden sich diese in den derzeitigen öl- und gasproduzierenden Ländern  können für den Wasserstofftransport in die Bedarfsgebiete die gleichen Distributionswege wie für fossiles Öl- und Gas verwendet werden. Der volkswirtschaftliche Nutzen durch diesen Systemwechsel wäre für diese Länder eine Überlebensfrage..
  • Die benötigten Treibstoffvarianten Kohlenwasserstoff oder Methanol lassen sich dann ebenfalls in den bestehenden fossilen Raffinerieanlagen erzeugen. Wenn es dann auch noch möglich wäre, aus dem reichlich in unserer Luft vorhandenen CO² den für den Sprit auf Wasserstoff-Basis benötigte Kohlenstoff zu gewinnen, wäre unser Problem der Luftverschmutzung damit zwar noch nicht gelöst, es könnte aber ein Schritt in die richtige Richtung sein. Die diesbezügliche Forschungstätigkeit ist schon im Gange. Auch Kohlendyoxid-Abgase aus Industrieanlagen könnten herangezogen und damit ein direikter Beitrag zur Abgasemission geleistet werden.
  • Der Systemwechsel im Fuhrpark von fossil auf Wasserstoff ist problemlos möglich, weil der regenerative neue Treibstoff mit dem fossilen vermischt werden kann und die herkömmlichen Motoren das ohne weiteres verkraften.
  • Eine Erzeugung auf dieser Basis wäre zu 100 Prozent klimaneutral. Der Strom für die e-Mobilität ist es nur dann, wenn er aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird.

Aktualisiert (Montag, den 06. Juni 2016 um 08:15 Uhr)