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Kippeffekte können plötzliche Klimaveränderungen bewirken

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Klimaschutz - Folgen Klimaveränderung

Kippeffekte sind Umweltphänomene, die zu Rückkoppelungen führen. Sie machen Veränderungen im Klimasystem der Erde und ihre Auswirkungen unberechenbar. Ein langsamer und stetiger Verlauf der Klimaveränderung ist eher unwahrscheinlich. Mit zunehmender Erderwärmung erhöht sich die Gefahr des Eintretens von Kippeffekten.

Die 12 wichtigsten Kippeffekte (lt. Studie WWF/Allianz):

Schmelzen des artischen Meereises: Das Abschmelzen der Polkappen könnte bereits vor 2050 zu einem Meeresspiegel-Anstieg von einem halben Meter führen. Damit wären in den weltweit 136 Küstenstädten mit mehr als einer Million Einwohner Vermögenswerte von über 28‘000 Milliarden Dollar gefährdet. Küstenregionen sind stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen, weil hier Stürme und Fluten verheerende Auswirkungen haben. Die Studie schätzt, dass im Großraum New York die Schäden eines Hurrikans der Stärke 4 heute bei 1000 Milliarden Dollar liegen würden, mit dem steigenden Meeresspiegel im Jahr 2050 aber bereits einen Betrag von 5000 Milliarden Dollar übersteigen könnten.

Schmelzen des westarktischen Eisschildes:  Wenn das arktische Meereis schmilzt, kommt darunter die dunkle Wasseroberfläche hervor. Da sie mehr Sonnenstrahlen aufnimmt als weiße Eisflächen, wird die Erderwärmung verstärkt. Das übrige Eis schmilzt schneller. Die Arktis wird bereits in wenigen Jahrzehnten im Sommer eisfrei sein.

Schmelzen des grönländischen Inlandeises: Beim Grönländischen Eisschild trügen schmelzende Gletscher zunächst den Rand des Schildes ab, was zu weiterer Erwärmung und Eisverlust führe. Steige die Temperatur dort um mehr als drei Grad Celsius, könnte der Eisschild bereits innerhalb von 300 Jahren abschmelzen und der Meeresspiegel um sieben Meter steigen.

Schmelzen der kontinentalen Eiskappen im Himalaya: Verschiebungen im Sommermonsun sowie das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya könnten in Indien zunehmend Dürren und Trockenheit auslösen. Über 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind dort von der Landwirtschaft abhängig, ihre Existenz wäre damit unmittelbar gefährdet.

Zusammenbruch der atlantischen Zirkulation: Sollte der Strom einmal ganz abreißen, befürchten Wissenschaftler einen dramatischen Temperaturabfall in Nordeuropa. Denn der Strom, der kaltes Wasser in der Tiefe nach Süden und warmes an der Oberfläche nach Norden transportiert, sorgt für ein mildes Klima in unseren Breiten. Die Klimaerwärmung stört den Antriebsmechanismus des Stroms: Durch stärkere Niederschläge und Gletscherschmelze steigt der Süßwassergehalt, die Zirkulation kommt ins Stocken. Damit der Golfstrom nicht völlig zum Erliegen kommt, muss eine weitere Erwärmung des Klimas verhindert werden.

Trockenheit und Waldbrände im Südwesten der USA: Die Zahl der Waldbrände im Westen der USA ist in den letzten 20 Jahren stark angestiegen. US-Forscher halten den Klimawandel für die Hauptursache. In der  Ausgabe des Magazins Science 7/2006  sprechen die Wissenschaftler von einem Teufelskreis: Mehr Waldbrände durch Klimaerwärmung dezimierten den Baumbestand. Weniger Bäume nähmen weniger Kohlendioxid auf. Mehr Kohlendioxid verstärke wiederum die Klimaerwärmung.

Verschiebung im Sommermonsun in Indien: Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass sich die Monsunaktivität in Zentralindien signifikant verändert hat (Goswami et al. 2006). So ist die tägliche Variabilität des Monsunniederschlags, also die Bandbreite zwischen starken und weniger starken täglichen Niederschlagsereignissen, in den vergangenen 50 Jahren deutlich gestiegen. Die Anzahl der täglichen Starkniederschlagsereignisse in Zentralindien (mindestens 100 mm/Tag) nahm seit 1950 um rund ein Drittel zu. Ursache dafür ist die globale Erwärmung: So stieg die Temperatur der Meeresoberfläche des tropischen Indischen Ozeans in den vergangenen 50 Jahren um etwa 0,5 °C an. Die Folge: Mehr Feuchte gelangt durch den Monsun nach Indien. Die Veränderung hat schwerwiegende Auswirkungen u.a. auf die Landwirtschaft auf dem Indischen Subkontinent. Viele Millionen Menschen stehen vor einer schweren Ernährungskrise.

Waldverlust im Amazonas: Häufig auftretende Dürren und erhöhte globale Temperaturen könnten dazu führen, dass bis 2100 bis zu 70 Prozent des Amazonas-Regenwaldes verloren gehen. Dabei würden riesige Mengen CO2 freigesetzt, welche die Klimaerwärmung noch einmal beschleunigen.

Verlust Borealer Nadelwälder: Die Borealwälder im Norden der Erde werden nach Forscheransicht bei drei bis fünf Grad Erwärmung durch Trockenheit und Hitze im Sommer und Krankheiten innerhalb von 50 Jahren großenteils absterben.

Verstärkung der El-Nino-Meeresströmung: Die globale Erwärmung hat einen dramatischen Effekt auf den El Niño. Wie koreanische Forscher in „Nature“ berichten, wird eine neue Form des Klimaphänomens immer häufiger. Bei dieser erwärmt sich nicht der Ostpazifik, sondern eine Hufeisen-förmige Region im zentralen Pazifik. Dieser El Niño „Modoki“ könnte verstärkte Trockenheit vor allem über Indien und Australien auslösen.

Auftauen von Permafrostböden und Freisetzen von Methan: Durch die Erderwärmung tauen im Sommer immer mehr Permafrost-Böden auf. Die im Boden lebenden Mikroorganismen zersetzen dann die organischen Materialien die sich vor langer Zeit dort abgesetzt haben und setzen dabei Methan frei. Der Kohlenwasserstoff Methan (CH4) ist ein starkes Klimagas, noch stärker als das bekanntere CO2. Messungen zufolge treten jährlich 3,8 Millionen Tonnen aus. Dies ist nur eine geringe Menge im Vergleich zu den mehreren hundert Millionen Tonnen Methan die jährlich durch den Menschen verursacht werden, jedoch könnte es sich schnell steigern. Durch noch mehr Erderwärmung taut mehr Permafrost auf, mehr Methan entweicht - ein Teufelskreis entsteht.

Schwächerer Monsun und weniger Niederschlag in Westafrika: In Westafrika bedroht der Klimawandel bereits akut das Leben der Menschen, er raubt ihnen die Möglichkeit, sich zu ernähren. Die Region hat sich in den vergangenen 25 Jahren schneller aufgeheizt als der globale Durchschnitt. "Vor allem hat aber die Variabilität zugenommen", sagt Harald Kunstmann vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch. Er wertet Daten aus, die nahe Ougadougou gesammelt werden und erstellt Modelle und Prognosen für Westafrika. Die Niederschlagsmenge hat sich im Jahresmittel in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert, sie konzentriert sich jedoch auf wenige Starkregen. Der Beginn der Regenzeit hat sich etwa um 30 Tage verschoben. Das macht Regenfeldbau unberechenbar. Darauf sind die Bauern aber angewiesen, sie leben von dem, was auf ihrem Land wächst.

Vgl. Mercur, Wikipedia, munichRe, Süddeutsche

Aktualisiert (Freitag, den 01. April 2011 um 14:46 Uhr)